Alle Jahre wieder bzw. Outdoor und so..
Schon früh lehrte mich ein Freund, dass die Kletterausrüstung per se nie komplett sein kann. Ich blickte in seinen prall gefüllten Materialschrank voller Karabiner, Cams, Eisschrauben, Klemmkeile, Aliens, Tricams und was man halt sonst noch so braucht und dachte mir, der Typ hat doch einen Sprung in der Schüssel.
Das war einmal. Mittlerweile bin ich bin Materialfetischist mit Leib und Seele und überzeugt davon, dass er recht hat. Am Material darf es nicht scheitern. Deswegen übt auch die Outdoormesse in Friedrichshafen eine gewisse Faszination aus. Da gibt´s halt alles was man braucht. Und schließlich müssen wir CLIMAXerInnen ja sowieso hin. Wegen dem Reden mit den wichtigen Leuten und so. Da meine seriös wirkend wollenden KollegInnen wissen, dass ich ohne mit der Wimper zu zucken eine doppelseitige Anzeige für einen Camalot eintauschen würde, spürte ich bald einen gewissen Vorbehalt gegen mein, wie ich es zu nennen pflege, „phänomenales Verhandlungsgeschick“. Master M. sagte mir, dass meine Talente anderswo besser aufgehoben seien und ich mich lieber um das neue Philosophicum mit einem gewissen Wolfgang Güllich kümmern solle, der gerade auf der Messe eingetroffen sei. Während ich wie ein Duracell-Häschen unter Starkstrom loshirschte, verdünnisierte sich der Rest der Crew, um ungestört phättes Business zu machen und jede Menge gratis Material einzustreifen.
Es war zum aus der Haut fahren: Egal, wen ich fragte, keiner hatte diesen verfluchten Wolfgang Güllich gesehen. Ich kenne ihn nicht persönlich, aber es muss sich um einen gar lustigen Charakter handeln, denn alle Befragten brachen in lauthalses Lachen aus, als ich sie mit meinem Begehr konfrontierte.
Gut, wenn kein Güllich, dann halt Material. Mein anfänglicher Enthusiasmus verflog jedoch schnell. Denn auf der Outdoor gibt es nicht nur das kleine bisschen, was man braucht, ganz im Gegenteil: es herrscht die Übermacht all dessen, was man nicht braucht. Diese Übermacht des Materials führte dazu, dass ich mich angesichts des Überflusses all des Überflüssigen unwohl zu fühlen begann. Das alles soll nötig sein für das bisschen Rumgeturne am Fels? Als würde man einen Schaufelbagger benötigen, um den Ficus umzutopfen.
Gottseidank gibt es an so gut wie jedem Stand gratis Bier. Der potentielle Kunde will schließlich gefügig gemacht werden. Wenn man bereits am Nachmittag einen sitzen hat, ist es am Besten auf Schadensbegrenzung zu verzichten und sich stattdessen mit Inbrunst dem heraufdämmernden Rauscherlebnis hinzugeben. Gut, dass es die Party gibt.
Mehr noch als zu dieser Sause muss ich den Veranstaltern dazu gratulieren, dass sie es schaffen konnten, mehrere hundert Leute dazu zu bringen, mit dem gleichen violetten T-Shirt (dass quasi als Eintrittskarte für das Fest fungierte) anzutanzen und sich trotzdem gut zu fühlen. We are one – und sehen nicht gut aus dabei. Nur auf dem Parteitag der nordkoreanischen KP werden die äußerlichen Unterschiede radikaler minimiert. Und mehr Violett gibt’s nur bei einem Heimspiel der Austria. Aber immerhin, es ging ab.
Pünktlich um Mitternacht beendete die Band ihre Performance und die Security räumte den Hof während die Roadies schon die Bühne zu demontieren begannen, es gibt schließlich Regeln. Partyende um Mitternacht – schlechter Scherz, Germany! Wo CLIMAX, da auch Zirbe und die darf man nicht schal werden lassen, das ist Gift für´s Karma. Man begab sich also auf den Parkplatz. Die Autotüren wurden sperrangelweit geöffnet, das Ennstaler Lebenselixier wurde ausgepackt und die Wumme aufgedreht. Geschlafen wird nicht, ihr pflichtbewussten Langeweiler – Party on!
Ein Ufo landete, ein Typ im Strampler tauchte auf und der Global Marketing Manager eines globalen Sportartikelherstellers lag rücklings am Asphalt und grinste mit roter Clownsnase glücklich in die Nacht. We like!
Und irgendwann, es war schon spät, gingen die Lichter aus.




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